stell dir vor es ist krieg, und keiner geht hin...

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Hoch über den Wolken - Oder wie Amor seinen Job fand...

Es war einmal ein Engel namens Jo, der lebte hoch über den höchsten Bergen auf der Wolke Nummer sieben. Dort schlief, aß und tollte er mit seinen Engelsfreunden durch die flauschigen Wolkenfelder. Und nur ab und zu musste Jo arbeiten. Denn Jo war ein Regenmacher. Wenn seine Wolke Nummer sieben vor lauter Wasser ganz prall und fett war, dann zog Jo an der Reißleine und – zack – ergoss sich das Wasser aus ihrem Inneren auf die Erde und es regnete!

*

Eines Tages jedoch, als es auf der Erde wieder besonders trocken war und die Menschen sehnsüchtig auf den Regen wartetet, hing Jos Wolke besonders schwer und dick in der Luft – doch nichts geschah! Die Wolke war sogar so prall mit Wasser gefüllt, dass sie ganz dunkel geworden war und aussah, als könnte sie jeden Moment platzen.
Alarmiert flogen die anderen Engelchen zu Wolke Nummer sieben, um rauszufinden, was geschehen war. Unter dem Gewicht der landenden Engelsschar sackte die ohnehin schon sehr schwere Regenwolke ein paar Zentimeter ab, so dass einige Engel erschrocken mit den Flügeln schlugen und es vorzogen, in der Luft zu verweilen.
„Jo! Wo steckst du nur?“ riefen sie verärgert.
„Komm raus! Die Lage ist ernst. Die Menschen brauchen dringend Wasser, und wenn diese Wolke nicht bald regnet, stürzt sie uns noch ab! Du bist der Regenmacher; nur du kannst die Reißleine ziehen!“
In mitten des Zetern und Schimpfens vernahmen sie ein leises Stöhnen und als sie genauer hinschauten, erkannten sie, direkt an der schwärzesten Stelle der Wolke, ein verdrecktes Engelskleid. Dort lag Jo und sah alles andere als engelhaft aus.
„Jo, aber wie siehst du denn aus?!“
„Schaut nur, seine Engelslöckchen sind ja vollkommen verknittert!“
Alle Engelchen riefen aufgeregt durcheinander, als sich plötzlich die barsche Stimme eines älteren Engels erhob.
„Seid still! Seht ihr denn nicht, dass Jo krank ist? Schnell, ruft den Engelsdoktor!“

Gesagt, getan! Innerhalb von sekundenschnelle kam ein weißhaariger Engel mit rotem Kreuz auf seinem weißen Gewand angeflogen. Bei sich trug er einen großen alten Koffer, der beinahe dreimal so groß war wie er. Unter dem Gewicht des Koffers sank die Wolke noch einmal um ein paar Zentimeter ab, so dass erneut quiekende Engelchen erschrocken in die Luft flatterten.
Mit fachmännischer Miene begann der Engelsdoktor Jo zu untersuchen. Er tastete hier und klopfte mit einem kleinen Hämmerchen da, und als er fertig war, blickte er in die erwartungsvollen Augen der anderen und sagte: „Jo leidet an einer seltenen, aber dennoch gefährlichen, Krankheit! Man nennt sie Herzschmerz!“
Die Engel stießen erstickte Schreie aus und fragten voller Sorge, was man den für ihren Freund tun könnte. Der weise Engelsdoktor überlegte einen Moment und sagte dann leise: „Nun ja, es soll ein Mittel geben, dass die gewünschte heilende Wirkung erzielt. Auf der Erde wächst ein langröhriger Strauch mit weißen, gelben oder rosa Blüten. Er trägt den Namen Jasmin.“
„Aber wie sollen wir an diesen Strauch kommen?“ wollte ein kleiner Engel mit roten Löckchen und einem ganzen Gesicht voller Sommersprossen wissen, „Wir haben doch allerhand zu tun, vor allem wo in der Wetterabteilung nun ein Regenmacher ausfällt!“
Auch andere Engelchen äußerten ihre Bedenken, so dass der weißhaarige Doktor beschwichtigend die Hände hob.
„Ich verstehe ja, aber bedenkt, dass die Jasmin Jos einzige Chance auf Heilung ist! Wenn er die Pflanze nicht bald bekommt werden die Menschen noch viel länger auf den Regen warten.“

Das leuchte allen ein und schließlich hatte einer der jüngeren Engelchen eine Idee. „Wieso bitten wir nicht einfach Amor, etwas Jasmin zu besorgen?“
Doch damit stieß er nur auf allgemeine Empörung. Amor war allen bekannt als ein Taugenichts und Faulpelz, der nichts anderes tat, als auf einer kleinen Wolke zu sitzen und den anderen Engeln bei ihrer Arbeit zu zuschauen. Dabei warf er lässig einen kleinen Ball in die Luft und zielte ab und zu auf die neuen Engelsschüler wenn sie gerade mit einem Stapel frisch gewaschener Engelsgewänder vorbeikamen, so dass alle hinunterfiel und auf der Erde als Schnee landete.
Sei neustem hatte Amor sich einen Köcher mit Pfeilen so wie einen Bogen zugelegt, damit er noch besser auf die armen hilflosen Engelchen zielen konnte.
Kein Wunder also, dass er bei den anderen Engel unbeliebt war und ihm niemand so eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe zuteilen wollte. Doch nach einigen Minuten heftiger Diskussion, bei der einige Engel sogar Federn ließen, beschloss die Mehrheit der Engel, wenn auch schweren Herzens, Amor auf die Suche nach Jasmin zu schicken.
„Wenigstens sind wir ihn dann für einige Zeit los,“ frohlockte der kleine Rotschopf, der in seiner Anfangszeit als Engelchen selber einige Male Opfer von Amors Attacken gewesen war.

Amor wurde herbeigerufen, und erhielt – wenn auch unter widerwilligem Gemurmel der anderen Engelchen – den Auftrag, hinunter zur Erde zu fliegen, um Jasmin zu holen.
„Mal seh’n, was sich so machen lässt,“ erwiderte Amor ganz lässig, freute sich aber insgeheim, dass ihm diese wichtige Aufgabe zugetragen war. Und schon war er verschwunden.

Die Tage verstrichen, es bleib weiterhin der Regen aus und Jo ging es immer schlechter, ja er war nicht einmal mehr in der Lage zu sprechen. Und von Amor keine Spur.
„Langsam bezweifle ich, dass das so eine gute Idee war,“ grummelt der Engelsdoktor vor sich hin und schaut verzweifelt in Jos fieberhaftes Gesichtchen.

Die Engelchen hatten schon alle Hoffnung aufgegeben und beriefen eine Versammlung ein, um zu beraten, ob man nicht besser einen neuen Regenmacher aus dem Ausland einstellen sollte.
„Aber die versteht doch niemand mit ihrem komischen Akzent,“ beschwerte der kleine Rotschopf sich gerade, als sie ein triumphierendes Kichern vernahmen – es war Amor!
„Wo hast du nur gesteckt du Taugenichts?“
„Schäm dich, den armen Jo so im Stich zu lassen!“ redeten alle Engel wild durcheinander.
„Beruhigt euch doch,“ rief Amor.
Er warf sich in die Brust und rief: „Es hat zwar etwas gedauert, aber ich habe Jasmin gefunden und sie hergebracht.“
Jetzt wurden die Stimmen noch lauter und aufgeregter, bis der Engelsdoktor erneut für Ruhe sorgte und Amor fragte, wo er die Pflanze denn habe. Verblüfft sah Amor ihn an.
„Pflanze?! Was für eine Pflanze? Ich habe ein Mädchen namens Jasmin mitgebracht!“
Ungläubige Blicke, dann verhaltenes Kichern der jüngeren Engelchen, lautes Schimpfen der Älteren. Der Engeldoktor schüttelte nur traurig den Kopf.
„Jetzt ist Jo endgültig verloren.“
Betretenes Schweigen kehrte ein. Plötzlich wurde die Stille durch einen Aufschrei unterbrochen.
„He, seht doch mal,“ rief ein kleiner blonder Engel mit Piepsstimme und deutete auf Jos Regenwolke. „Jo lässt es wieder regnen!“
Die Engelsschar traute ihren Augen nicht, doch dann flog sie in wilder Hast hinüber zu Wolke Nummer sieben. Und tatsächlich, dort stand Jo – putzmunter, mit noch leicht zerzaustem Haar – und zog lachend an der Reißleine.
„Regen, Regen, es soll regnen!“ rief er lachend.
Natürlich wollten alle Engelchen wissen, was geschehen war und Jo erzählte es ihnen.
„Ich liebe meinen Job als Regenmacher, aber irgendwann fühlt man sich doch einsam auf seiner Regenwolke. Anscheinend bin ich deshalb krank geworden... Aber als ich Jasmin sah, da ging’s mir schlagartig besser!“
In diesem Moment sahen die anderen Engel das hübsche Mädchen, das einen Pfeil in der Hand trug. Dieser Pfeil stammte eindeutig aus Amors Köcher!

*

Nun, wie die Geschichte ausging, könnt ihr euch vielleicht denken...
Da es Jo wieder besser ging und das Mädchen eh wie ein Engel aussah, wurde einstimmig beschlossen, dass Jasmin bleiben durfte und von nun an Jo bei seiner Arbeit als Regenmacher half. So bekamen die Menschen auf der Erde auch viel schneller ihr Regenwasser!

Nun, was Amor betrifft, so bekam auch er endlich eine Aufgabe zugeteilt, damit er nicht mehr so viel Schabernack trieb. Die Engelchen waren sich einig, dass die Menschen mehr Liebe vertragen konnten, und so wurde Amor dafür zuständig, Verliebte zusammen zuführen.
Doch da er nach wie vor ein kleiner Lausengel war, tat er das mit Hilfe von Pfeil und Bogen. So, wie er auch Jo und Jasmin auf Wolke sieben zusammengeführt hat...
30.5.07 17:16


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alles wegtanzen

Ich könnte durchdrehen. Ausflippen. Aufspringen. Der Stuhl kippt um, fällt zu Boden.
Ich tanze, will die Musik spüren, drehe das Radio lauter. Der Bass dröhnt, ich tanze, versuche meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Tanzen, springen, wirbeln. Die Musik peitscht mich auf. Ich vergesse mich in ihr, doch verharre nicht in stiller Melancholie. Nein ich drehe mich immer schneller, lasse die Arme rumwirbeln, gegen meinen Körper knallen und werfe sie dann wieder durch die Luft. Für einen Moment vergesse ich, wo ich bin.
Die Musik strömt durch meine Ohren in meinen Körper, nimmt ihn vollkommen ein, ja kontrolliert ihn. Durch meine Adern fließt nun der Takt, ich atme Melodie. Das Lied endet.

Ich tauche wieder in die Wirklichkeit ein, nein besser gesagt, ich tauche auf, an die Oberfläche des Tanzes und atme nun wieder die Wirklichkeit.
Und schon bin ich wieder gefangen, meine Gedanken haben mich eingeholt und wirbeln wie zuvor meine Arme durch meinen Kopf. Klatschen gegeneinander. Ich lasse mich auf den Boden fallen. Genauso wie der Stuhl. Mit den wirren Gedanken sind auch die noch verworreneren Gefühle wieder da. Ich weiß nicht wohin mit meinen Gedanken und Gefühlen. Raus mit ihnen aus meinem Kopf!

Da klingt auch schon das nächste Stück im Radio an. Ebenfalls eine laute Nummer. Schnell kommt die Band in Fahrt und spielt mitreißend. Ich werde ebenfalls mitgerissen so wie sicherlich hunderte andere, die jetzt vor dem Radio sitzen. Schnell bin ich aufgesprungen, diesmal fällt der Stuhl nicht, weil er ja immer noch auf dem Boden liegt.
Meine Arme wirbeln wieder, ich drehe mich schnell im Kreis, will die dummen Gedanken und die noch dümmeren Gefühle wegwirbeln. Ja, fort mit euch. Ich will tanzen, tanzen, tanzen. Und mich drehen, damit ich nicht durchdrehe. Ich brauche keine Luft zu holen, bevor ich untertauche, denn jetzt atme ich wieder die Melodie, spüre den Takt durch meine Adern pulsieren. Ich tanze, drehe mich, wirbele meine Arme hoch.
Wirbel alles weg.
20.1.07 19:58


Novembernacht

Die Sonne ist schon lange hinterm Horizont verschwunden und hat Bruder Mond ihren Platz überlassen. Am klaren Himmel hängen nur einige wenige Schäfchenwolken, die sich zart im Mondlicht auf dem Wasser spiegeln. Das Möwengeschrei vom Tage ist verklungen und nur noch das Geräusch der Wellen, wie sie langsam im Sand verlaufen, ist zu hören. Der Novemberwind meint es gut und weht nur schwach. Ich atme tief ein und die Seeluft füllt meine Lungen.

In der Ferne sehe ich das kleine Licht eines Leuchtturms der Dunkelheit trotzen. Ich frage mich, wie viele Schiffe es schon aus der Nacht in den sicheren Hafen gelotst hat.
Auch ich war ein Schiff und meine Reise war schwer. Die See ist nicht immer so freundlich wie heute Nacht. Schon gar nicht im November. Ich bin mehrmals fast von Bord gespült worden, doch dann - wie ein einziger Stern am Horizont - leuchtete ein Licht mir meinen Weg und führte mich sicher zurück an Land.

Noah, mein Licht. Ja, so habe ich dich genannt. Ich höre dich leise lachen, sehe dein Gesicht im Wind. Ich lächele den Mond traurig an und versuche mich an jeden einzelnen Moment, den wir zusammen verbracht haben, zu erinnern.

Ich weiß noch ganz genau, wie wir das erste Mal auf dem Rummel waren. Wir aßen Zuckerwatte und Marzipan Kartoffeln und du hast vergeblicht versucht, einen dieser dicken rosa Plüschelefanten für mich abzuschießen. Zum Trost habe ich dich auf eine Fahrt mit dem Riesenrad eingeladen, obwohl ich Höhenangst habe.

Und als unsere Gondel an dem höchsten Punkt hielt, damit unten weitere Leute einsteigen konnten, hast du deinen Arm um mich gelegt und nach Norden gezeigt. In der Abenddämmerung sah man das Licht des Leuchtturms an der Küste aufblitzen.

„Siehst du das Licht, Naomi?“ hast du sanft in mein Ohr geflüstert.
„Es leuchtet den Schiffen den Weg, so wie ich dich geführt habe. Und wenn ich einmal nicht mehr da bin, dann wird es für dich weiterleuchten. Es wird dich beschützen.“

Mir liefen die Tränen die Wangen herunter, und das lag nicht am Wind. Ich weiß nicht wie lange wir danach schweigend in der Gondel saßen, es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Ich wollte dich nie wieder loslassen und niemals hätte ich gedacht, dass der Leuchtturm schon so bald für mich leuchten muss.

Heute jährt sich der Tag an dem du den Unfall hattest. Es geschah in einer lauen Novembernacht, genauso mild wie heute.
Du hattest keine Schuld. Der Fahrer des anderen Wagens hatte zu viel getrunken und hätte gar nicht mehr hinters Steuer gedurft. Und jetzt sind schon drei Jahre vergangen. Drei Jahre ohne dich scheinen so lang im Vergleich mit der kurzen Zeit die wir zusammen hatten.

Unbemerkt ist mit eine einzige Träne die Wange heruntergerollt. Sie fällt auf den weichen Sand und hinterlässt dort einen dunklen Fleck. Und wenn morgen kleine Kinderfüßchen durch den Sand stampfen, ist der Fleck längst verschwunden und niemanden wird sich an ihn erinnern.

Doch das Licht des Leuchtturms erlischt nie. Es wird jeden Abend neu für die Fischer leuchten. Heute Nacht jedoch leuchtet es nur für mich.

Ich laufe langsam auf das Meer zu. Schon lecken die ersten Wasserzungen an meinen Schuhen. Ich laufe weiter und merke, wie die Wellen zuerst nur meine Füße, dann auch meine Beine umspülen. Das Meer ist kalt, aber klar, doch es macht mir nichts aus. Ich sehe den Leuchtturm und kämpfe mich langsam durch die höher werdenden Wellen. Denn das Licht führt mich.

Es führt mich zu dir.
4.11.06 20:26


Polly wants a cracker

Am Abend ruft Sammy an und lädt mich zu einer Party ein.
„Was gibt’s denn zu feiern?“ erkundige ich mich.
„Ach weißt du, man braucht nicht unbedingt immer einen Grund, um Spaß zu haben.“
Ich kann ihn förmlich durch den Hörer grinsen sehen.
„Ist auch nix besonderes,“ erklärt er locker, „Nur ne kleine Gesellschaft. Wir treffen uns um halb acht am See. Komm vorbei, es wird dir gut tun, mal wieder rauszukommen.“

Nachdem ich aufgelegt hab, hocke ich mich im Schneidersitz auf mein Bett und denke nach. Sammy hat Recht. Ich war wirklich schon lange nicht mehr unter Leuten. Andererseits könnte das heute Abend auch eher ein Spießrutenlauf werden. Wenn jeder verstohlen auf meinen Bauch glotzt und hinter vorgehaltener Hand mit dem Nachbarn tuschelt. Ach was soll’s, denke ich mir. Sammy hat schließlich gesagt, es soll nur ne kleine Runde sein. Da wird er sich bestimmt Mühe bei der Auslese seiner Gäste geben.
Für einen kurzen Moment will ich nach dem Telefonhörer schnappen und Jonah anrufen, doch dann zögere ich. Ich kenne seine Antwort auf die Frage, ob er mitkommt zur Party, eh schon. Er wird mich nicht unterstützen, denn ich muss mich schonen, dem Kind zu Liebe. Aber deswegen wie eine Aussätzige von jeder Party fern bleiben? Ich spüre eine leichte Wut in mir aufkeimen und springe vom Bett auf. Nein, heute Abend will ich Spaß haben! Aber erst einmal gehe ich unter die Dusche.

Frisch gewaschen schlüpfe ich in bequeme Jeans und ein weites, dunkelrotes T-Shirt. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es bereits kurz nach sechs ist. Wenn man die Zeit, die ich für den Weg zum See brauche, abzieht, habe ich noch ungefähr eine Stunde. Ich föhne meine Haare schnell trocken und entschließe mich dann, sie heute Abend offen zu tragen.
Während ich mich im Spiegel betrachte, fällt mir auf, wie sehr ich mein Äußeres vernachlässigt habe in den letzten Monaten.
„Ein bisschen Make-up würde dir heute mal gut tun, Polly,“ sage ich zu meinem Spiegelbild und strecke ihm die Zunge heraus. Mit zittrigen Händen beginne ich, Wimperntusche aufzutragen.
Nachdem auch das erledigt ist, mache ich mir noch schnell etwas zu essen. Danach spüle ich den Teller rasch in der Spüle ab, klebe einen kleinen pinken Zettel an den Kühlschrank, mit der Botschaft, dass ich mit Freundinnen im Kino bin, und schnappe mir meine schwarze Umhängetasche sowie die verwaschene Jeansjacke.

Im Bus will ich mich erst ganz hinten hinsetzen, doch dann entdecke ich weiter vorne Mark und Antoine. Die beiden haben mich auch schon erblickt und deuten mit wilden Armbewegungen an, dass ich mich zu ihnen setzen soll. Also quetsche ich mich durch den engen Gang zu ihren Plätzen durch. Mittlerweile ist der Bus bereits losgefahren und macht eine Kurve, genau in dem Moment, indem ich den freien Platz neben Mark erreiche. Durch den plötzlichen Ruck verliere ich das Gleichgewicht und kann mich gerade noch so an einer Haltestange festklammern.
„Hoppla, Polly, nicht so stürmisch!“ grinst Mark und hilft mir auf den Sitzplatz. Ich komme mir vor, wie ein kleines Kind und spüre die heimlichen Blicke der anderen Fahrgäste, die mir sofort eine Schamesröte, welche sich bestimmt wunderbar mit meinem roten T-Shirt beißt, ins Gesicht steigen lassen.

Die weitere Busfahrt ist die Hölle, auch wenn sich her raus stellt, dass Mark und Antoine ebenfalls zu Sammys See-Party unterwegs sind und ich so den restlichen Weg nicht mehr alleine bin.

Endlich stehe ich am Seeufer und beobachte, wie die Sonne langsam hinterm Horizont versinkt.
Die „kleine Gesellschaft“ besteht nun doch aus mindestens zwanzig Leuten, wovon ich die Mehrheit bereits bei einigen Feten gesehen habe.
Sammy hat mit ein Paar Jungen große Holzblöcke herangeschleppt, auf denen sich die meisten seiner Gäste tummeln. Einige tanzen zur Musik, die aus dem Ghettoblaster dröhnt und andere halten die Füße ins Wasser und reichen sich abwechselnd einen Joint.

Ich stehe ein bisschen abseits von dem ganzen Getümmel und bin so in Gedanken versunken, als plötzlich Mark neben mir auftaucht.
„Hier, Cola mit Bier,“ sagt er und drückt mir einen Plastikbecher in die Hand. Ich grinse ihn an.
„Wohl eher Bier mit ´nem Schuß Cola, wie ich dich kenne.“ Mark hebt die Hand zum Schwur.
„Nix da! In dem Becher ist Halbe-Halbe. Ehrenwort. Musst ja schließlich ein bisschen aufpassen,“ sagt er und tätschelt mir leicht den Bauch.
Ich lächele Mark dankbar an und will gerade etwas erwidern, als ich Antoines Stimme rufen höre: „He, Polly, schau mal wer da ist!“
Als ich mich umdrehe steht Jonah da, die Hände tief in den Taschen seine abgewetzten Jeans vergraben.
Vor lauter Überraschung, verschlägt es mir glatt die Sprache. Wieso ist Jonah denn hier? Andererseits, wieso auch nicht, denke ich mir, schließlich ist er genauso mit Sammy befreundet, wie ich.
„Hey Kollege,“ höre ich Mark neben mir und Jonah nickt ihm zu.
„Na gut, ihr zwei Stockfische, ich bin mal mit Antoine Party machen. Haut rein!“ ruft Mark noch und ist auch schon verschwunden.
Jonah macht zwei Schritte auf mich zu und umarmt mich. Als er merkt, dass ich seine Umarmung nicht erwidere, lässt er mich los. Endlich hab ich meine Stimme wiedergefunden und bringe ein „Hi“ über die Lippen.
Jonah zieht die Nase kraus und sagt mit väterlichem Unterton: „Polly, du weißt genau, was ich davon halte, dass du auch hier bist.“
„Tja,“ erwidere ich schnippisch, „dann geh doch auf `ne andere Party, wenn es dir nicht passt!“
Jonah verdreht die Augen. „So war das doch gar nicht gemeint! Aber du solltest nicht auf dieser Party sein. Und auch auf keiner anderen. Du solltest zu Hause sein und dich schonen!“ Ich zucke mit den Schultern und trinke einen Schluck aus dem Becher, den Mark mir gereicht hat.
„Bist du denn jetzt völlig übergeschnappt?“ schnauzt Jonah mich an. Wütend blinzelt er in meine Richtung, denn die tiefstehende Sonne blendet ihn.
„Polly! Du bist schwanger! Da kannst du doch nicht einfach rücksichtslos den Alkohol in dich reinkippen.,“ fährt er mit seiner Moralpredigt fort und entwendet mir meinen Plastikbecher.
„Hey, hab dich doch nicht so,“ schnauze ich zurück, „schließlich ist das doch nur Bier. Und auch nur zur Hälfte. Mark hat’s mir mit Cola gemischt.“
Mit einem heftigen Ruck kippt Jonah den Inhalt meines Bechers in den Sand, wo er sofort beginnt zu versickern. Ich schreie empört auf.
„Tickst du noch richtig? Wenn du so viel Kohle hast, deine Getränke einfach wegzukippen, dann kannste deine Geld auch gleich im Klo runterspülen!“
Achtlos wirft Jonah den nun leeren Becher in den Sand und beginnt mich leicht an den Schultern zu rütteln.
„Polly,“ sagt er, nun mit sanfterer Stimme, „Da in dir drin wächst ein kleines Leben. Und du bist dafür verantwortlich. Behüte es! Beschütze es! Mach es nicht kaputt!“
Seine Worte lassen mich erschaudern und ich beginne leicht zu zittern.
„Du hast mir hier gar nichts vorzuschreiben!“ flüstere ich leise. Ich versuche Jonahs Hände abzuschütteln.
„Du bist noch nicht einmal der Vater des Kindes!“ rufe ich laut und drehe mich um, bevor er meine aufsteigenden Tränen bemerkt.
Ach, wenn es doch nur so wäre, dass Jonah der Vater dieses Kindes da in mir drin ist! Dieser Gedanke lässt nun noch mehr Tränen über meine rauen Wangen rollen. Ich mache mir nicht die Mühe, sie wegzuwischen.
Stattdessen trabe ich los und laufe am Seeufer entlang. Weg von Sammys Party und all den unbeschwerten Leuten, die keinen größeren Sorgen als den Kater am nächsten Morgen haben.

Auf einem kleinen Fels lasse ich mich nieder und halte die dreckigen Chucks ins Wasser. Ich starre auf den See, der sich von der untergehenden Sonne rötlich färbt.
Jonahs Worte hallen in meinem Kopf wieder. Mach es nicht kaputt! Genau das hat auch Lilly gesagt, als sie von meinen Abtreibungsplänen hörte. Lilly, die doch selber noch ein Kind ist. Was weiß sie denn schon, was es bedeutet mit einem immer dicker werdenden Bauch rumzulaufen und von den Leuten schräg angeguckt zu werden, und genau zu wissen, was sie grade denken. Was weiß sie denn schon, wie es ist, jeden morgen die Kloschüssel zu umklammern, und nicht etwa weil die Party am Vorabend so berauschend war. Was weiß sie schon, verdammt noch mal, was wissen sie alle denn, wie es ist, ungewollt schwanger zu sein! Aber jeder meint ein paar gut gemeinte oder tadelnde Worte loslassen zu müssen. Aber das macht es auch nicht rückgängig oder weniger beschissen. Vor Wut beiße ich mir auf meine spröden Lippen.

Auf einmal spüre ich, wie von hinten sich zwei Arme unter meinen durchschieben und sanft über meinen Bauch streicheln. Ich drehe mich nicht um, da ich ganz genau weiß, dass es Jonah ist, der da sanft in mein Ohr atmet.
Stattdessen schließe ich meine Augen, und versuche mit ihm mitzuatmen. Wir beide atmen im selben Takt. Ein, aus, ein, aus, ein.

Langsam versiegen meine Tränen. Plötzlich greift Jonah nach meinen Händen und legt sie ebenfalls auf meinen Bauch. Etwas widerwillig lasse ich ihn machen. Doch dann spüre ich auf einmal ein sanftes Treten. Da ist ein kleines Leben in mir! denke ich leise und wieder beginnen die Tränen zu kullern, diesmal aber nicht aus Wut oder Verzweiflung. Ich bin dabei ein kleines Leben zu erschaffen. Es wächst in mir, es ist ein Teil von mir!
Leise höre ich Jonah etwas flüstern und unterbreche meine Gedanken.
„Mach es nicht kaputt, mach es nicht kaputt,“ murmelt er fast lautlos.
2.10.06 14:17


Mein Freund der Herbst

Dieser Text ist zwar schon älter, aber ich habe ihn kürzlich wieder gefunden und etwas überarbeitet, um ihn nun trotzdem on zustellen. Have fun, read it.

Der Winter ist zwar meist kalt, aber mit etwas Glück auch weiß. Außerdem ist er die Jahreszeit der Nächstenliebe schlechthin, auch wenn es irgendwie makaber ist, dass den meisten von uns nur einmal im Jahr warm ums Herz wird und sie nur dann an ihre Mitmenschen denken.

Das Frühjahr bringt wieder Farbe ins Spiel und die sogenannten „Frühlingsgefühle“ vertreiben die grauen Schlechtwetter Depressionen.

Wenn dann endlich der Sommer anbricht, reißen wir uns die bunten Klamotten vom Leibe und gehen schwimmen oder liegen einfach am Strand und tun nichts.

Wie dem auch sei, jeder mag eine Jahreszeit besonders gerne, doch die wenigsten denken dabei an den Herbst.
Die meisten klagen über dass nass-kalte Wetter, die früh eintretende Dunkelheit und überhaupt wird Gevatter Herbst gern als ungemütlich bezeichnet!

Doch stellt euch mal vor, der Sommer geht zu Ende, und was kommt dann? Der Winter! Erst 35°C im Schatten und Bikini und im nächsten Moment Zähneklappern und Pudelmütze!
Und wer schon mehr als ein paar Winter erlebt hat, weiß, wie hart es ist, in der kurzen Vorweihnachtszeit alle Geschenke zu planen und zu besorgen.

Dafür gibt es den Herbst! Er sorgt dafür, dass wir uns sowohl gedanklich wie auch körperlich auf den Winter umstellen. Im Frühling kommt die Vorfreude auf den Sommer und im Herbst? Na klar, die Freunde auf den Winter!
Nicht zu vergessen, färbt er die Blätter an den Bäumen schön bunt, bevor sie runter fallen. Und was gibt’s tolleres als durch einen Haufen knirschender Herbstblätter zu laufen?

Darum diskriminiert nicht weiter den Herbst, ohne den es ja auch nur noch drei Jahreszeiten gäbe, und das Jahr viel zu schnell rum wäre, sondern freut euch, dass er da ist, selbst wenn euch das schlechte Wetter auf den Keks geht.
Apropos Keks: Wenn’s draußen stürmt und man gemütlich im Warmen sitzt, Musik hört und Gebäck knabbernd in ´nem dicken Buch schmökert - dann ist der Herbst alles andere als ungemütlich!
27.9.06 19:50


Spießerbraut oder Drehbuchautorin?

In einem Song von „Früchte des Zorns“ heißt es „Wenn es einen Film über dein Leben gäbe, würdest du ihn dir dann anschauen?

Mein Leben sah bisher ziemlich planmäßig aus. Krabbelgruppe, Kindergarten, Schule. Bis dahin schafft’ s fast jeder. Freundschaften schließen, die erste große Liebe. Ein bisschen Abenteuer auf Partys und frischen Wind in den Alltagstrott bringt der alljährliche Sommerurlaub.

Nein, dass macht noch keinen interessanten Film aus. Aber vielleicht das, was die Zukunft bringt?

Vorgenommen habe ich mir da auch das übliche. Abi, Studium, soliden Beruf. Eigentlich. Denn uneigentlich will ich viel lieber nach dem Abi ein Jahr ins Ausland und als Aupair oder ähnliches arbeiten. Aber ist das so klug? Immerhin heißt es ja, dass kein Arbeitgeber es gerne sieht, wenn der Bewerber zwischendurch ein Jahr auf der faulen Haut gelegen hat. Und überhaupt, sollte man sich nicht schnellstmöglichst einen Studiumsplatz angeln?

Nach dem Studieren will ich Bücher schreiben, denn das Schreiben macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß. Außerdem möchte ich mit meinen Texten auch etwas sagen und nicht nur sinnlos daher palavern wie so mancher Politiker.
Aber wer kann schon von Luft und Tinte leben? Das bedeutet ein „sicherer“ Beruf ist zunächst von Nöten.
Und dann? Dann steckt man erst mal in seiner Arbeit drin und kann sich nicht einfach mal ne Auszeit nehmen, um zum Beispiel Kinder zu kriegen. Dabei wollte ich doch eine Familie gründen.

Nun stellt sich also die Frage: Spießerbraut werden oder das Drehbuch für meinen Lebensfilm selber schreiben?
Ich weiß es nicht, aber eins steht fest, den Film über mein Leben will ich nicht sehen, schließlich lebe ich es ja, das sollte reichen.
21.9.06 19:39


Virginia (eine Kurzgeschichte)

Mein Name ist Virginia. Virginia Minetti. So heißt doch kein Mensch, denkt ihr jetzt bestimmt. Und da habt ihr Recht. So einen bescheuerten Namen hat wirklich keiner, außer mir natürlich. Meine Eltern haben so diesen Tick, ihre Kinder nach US-Bundesstaaten zu benennen. Mein großer Bruder Maine wurde nach der Heimat meiner Mutter benannt und meine Schwester nach der Herkunft meines Vaters - Louisiana. Da ich das jüngste Kind bin, ist mein Namenspate der Staat, in dem wir leben. Ich bin wirklich froh, dass meine Familie nicht nach Kentucky gezogen ist.

Meine Eltern sind richtige Hippies und irgendwo zwischen Anfang der 60er und Woodstock stecken geblieben. Sie hören Jimi Hendrix und Bob Dylan, spielen Gitarre am Lagerfeuer beim Alt-Hippie-Treffen in unserem Garten und wollen von ihren Kindern nur beim Vornamen genannt werden. Melissa, meine Mutter, hat versucht, mich und meine Geschwister für bunte Blumenhemden und Blusen zu begeistern, doch hatte sie nur bei meiner Schwester Erfolg. Lou hat sich ihre Haare bis zum Po wachsen lassen und trägt bunte Hawaiiketten. Sie ist zwei Jahre älter als ich und Melissa sagt immer, wir sind wie Tag und Nacht.
Am ähnlichsten bin ich, glaube ich, noch Maine. Ihn „kotzt das Friede-Freude-Eierkuchen-Getue“ von Melissa und Carl an, wie er mal sagte. Er kann es kaum abwarten, auszuziehen. Ihm fehlt nur das Geld dazu. Aber eigentlich ist er jetzt schon so gut wie nie zu Hause, weil er immer mit seiner Motorradgang unterwegs ist. Mir sind seine Freunde nicht geheuer. Alles Typen in Lederkluft mit Bierfahne. Doch Carl und Melissa stört das nicht. Sie sind sehr „tolerant“, wie sie immer wieder betonen. Ich kann mir so gut wie fast alles erlauben. Sogar rauchen. Nur wer will schon Drogen nehmen, wenn die eigenen Eltern einem den Joint gedreht haben?

Eigentlich bin ich eher unscheinbar. Ich bin jetzt fünfzehn und habe noch nicht einmal geküsst. Aber eigentlich interessieren mich Jungs nicht so sehr. In der Schule bin ich nur mittlerer Durchschnitt und auch sonst nicht sehr auffällig. Ich trage keine besonderen Klamotten, habe keine coolen Freunde und auch sonst kein großes Hobby.
Na ja, ich bin oft bei Molly, Melissas Mutter. Molly ist für ihre 74 Jahre noch ziemlich fit und eine sehr forsche und quirlige Person, die das „Herz auf der Zunge trägt“, wie Lou immer sagt. Ich glaube, die Person, die ich aus meiner Familie am liebsten mag, ist Molly. Wenn ich bei ihr bin, arbeiten wir im Garten, backen kleine Schokotörtchen oder hören Radio.

Oft erzählt mir Molly von früher. Von ihrer ersten Liebe Nico und von Jeff, Melissas Vater. Es ist schön, auf einer der Liegen im Garten zu sitzen, die nackten Füße im Gras, und den alten Geschichten zu lauschen. Molly weiß immer wieder was Neues zu erzählen, eine Anekdote, die ich noch nicht kenne. Obwohl ich manchmal den Verdacht habe, dass sie ein bisschen schummelt und einiges nur erfunden ist. Trotzdem tut es gut, dem Hippiealltag zu entfliehen.

Ich erinnere mich noch gut an meinen siebten Geburtstag. Ich hatte mir eine große Feier mit fast allen Kindern aus meiner Klasse gewünscht. Und tatsächlich durfte ich so viele Kinder einladen, wie ich wollte. Der Sommer 1980 war sehr heiß und wir feierten in unserem großen Garten. Ich hatte mir einen Clown gewünscht, der auftrat und Zauberkunststücke vorführte, doch stattdessen hatten meine Eltern ihre Hippie-Freunde eingeladen. Sie spielten Gitarre, rauchten und mein Partyhüttchen wurde gegen eine Blumenkette ausgetauscht. Die Eltern waren total entsetzt, als sie ihre Kinder abholten und das war das letzte Mal, dass ich meinen Geburtstag feiern wollte.

Molly sagt immer, ich sei für mein Alter schon sehr reif und viel weiter entwickelt als Louisiana. Ihr gefällt es nicht, dass Lou sich so für die Hippie-Bewegung begeistert. Sie hält das ganze für Humbug und ist der Meinung, dass meine Eltern langsam mal erwachsen werden sollten. Wahrscheinlich ist sie deshalb zu Maine und mir immer besonders freundlich. Molly sagt, sie findet es gut, dass mein Bruder seinen eigenen Weg geht und macht was er will. Sie sagt auch, ich solle ein bisschen aus mir heraus kommen und was aus mir machen. „Virginia, Kind, du bist so ein hübsches Mädchen. Ein bisschen Schminke und die Herrenwelt liegt dir zu Füßen,“ pflegt sie immer zu sagen, woraufhin ich dann immer lächelnd erwidere: „Aber Molly, dann hätte ich doch keine Zeit mehr, dich zu besuchen.“

Und so vergeht die Zeit und wir schreiben mittlerweile das Jahr 1992. Es ist kurz vor meinem 19. Geburtstag und Maine ist mittlerweile von zu Hause ausgezogen und wohnt nun bei seiner neuen Freundin Wanda in Pittsburgh. Zu unserer aller Überraschung ist sie nicht so wie die Rockerbräute, die mein großer Bruder sonst immer abgeschleppt hat. Nein, Wanda ist eine hübsche, bodenständige Frau, die als Näherin in einer großen Textilfabrik arbeitet und es als erste geschafft hat, dass mein Bruder seine Lederkluft abgelegt hat und nur noch selten aufs Motorrad steigt. Ja, mein mittlerweile 23-Jahre alter Bruder ist doch erwachsen geworden. Manchmal fährt er nach Virginia und besucht uns und ich freue mich immer, wenn er Wanda mitbringt.

Lou hat dem Hippie-Dasein vollkommen den Rücken zugekehrt, nachdem sie sich vor zwei Jahren auf einer Party erst mit Drogen abgefüllt hatte und drei Stunden später im Krankenhaus ihr Magen ausgepumpt werden musste. Sie ließ sich in eine Entzugsklinik einweisen und hat seitdem keinen Kontakt mehr zu Melissa und Carl, weil sie die beiden für ihren Absturz verantwortlich macht. Womit sie wohl gar nicht mal so Unrecht hat. Mittlerweile ist sie sauber und hat mir drei Musikern in New York eine Band gegründet. Sie machen eine ganz neue Musikrichtung, ich glaube man nennt es Punk und als ich Lou letztes Thanks-Giving bei Molly sah, waren ihre Haare nur noch schulterlang und lila gefärbt und in der Nase trug sie einen silbernen Ring.

Melissa und Carl tanzen immer noch barfuss ums Lagerfeuer und daran wird sich wohl nie was ändern. Ich habe das Gefühl, sie sind froh, dass ihre beiden ältesten Kinder nicht mehr zu Hause wohnen, und können es kaum abwarten, bis auch ich endlich ausziehe. Irgendwie leben sie in ihrer eigenen Welt, die mir wohl immer verschlossen bleiben wird. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, denn ich gehe meinen eigenen Weg, wie Molly es mir immer geraten hat.

Molly – Ja sie war die wichtigste Person in meinem Leben und wird es wohl auch immer bleiben. Im Frühjahr dieses Jahres starb sie im Alter von fast 78 Jahren. Bis zu ihrem Tod erfreute sie sich immer bester Gesundheit. Ich hatte, wie so oft, den Tag bei ihr verbracht. Wir aßen selbstgebackenen Apfelkuchen und sie erzählte zum ersten Mal nicht von früher, auch nicht, als ich sie darum bat. Sie schaute in den Himmel und fing an, mich über meine Zukunftswünsche auszufragen. Sie sagte, sie wolle, dass es mir gut ginge und ich Spaß am Leben habe. Dann könne sie in Ruhe sterben. Ich weiß noch, dass ich das für einen ihrer üblichen Scherze hielt. Ihr Schneeweißes Haar spiegelte das Sonnenlicht und ihre Wangen waren vor Eifer rot gefärbt. Sie sah so lebensfroh, so lebendig, aus, wie immer. Gegen Abend verabschiedete ich mich von ihr, und das war das letzte Mal, dass sie sich zum Schlafen hinlegte. Denn am nächsten Morgen stand sie nicht mehr auf.

Ich vermisse Molly jeden Tag, doch seit ich kurz nach ihrer Beerdigung meinen ersten festen Freund kennen gelernt habe, geht es ein bisschen besser. Er ist 19 und heißt Nico. Ja richtig, Nico, genauso wie Mollys erste große Liebe. Ich kenne Nico schon länger wir haben ein paar Fächer in der Schule zusammen. Doch erst seit unsere Englischlehrerin uns in die selbe Arbeitsgruppe eingeteilt hat, habe ich ihn überhaupt wahr genommen. Was dann in den nächsten Woche mit meinem Kopf und Bauch passierte nennt man wohl verliebt sein. Ich wünschte, ich hätte Molly in dieser Zeit gehabt, sie hätte mich bestimmt gut beraten. Zweimal habe ich versucht, Lou anzurufen und mit ihr über Nico zu sprechen, doch meine große Schwester war viel mehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Zum Glück machte Nico dann den ersten Schritt und lud mich ins Kino ein. Was dann in den folgenden Wochen passierte, könnt ihr euch wohl denken.

Im Sommer bin ich mit der Schule fertig und an Weihnachten wird die kleine Molly auf die Welt kommen, und Nico und ich wollen zusammen ziehen. Wohin, wissen wir noch nicht, aber möglichst nicht in der Nähe von unseren Eltern, denn wir wollen unseren eigenen Weg gehen.
9.8.06 17:50


Zwei

*trommelwirbel* nach langem Warten ist es endlich so weit, Marius hat die Fortsetzung geschrieben



Ich überlegte kurz und kletterte dann hinterher. Frank wohnt im Erdgeschoss, es ist nicht wirklich schwierig dort hinauf zu kommen doch der Regen erschwerte die Sache. Niklas schien erst sehr motiviert in die Wohnung zu gehen, doch kurz vor der Tür blieb er plötzlich stehn. "Was ist los?" feagte ich, doch eine Antwort bekam ich nicht. ich sties ihn zur Seite und ging in die Dunkleheit. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch fest davon überzeugt das dies alles ein Scherz war, doch dann dann viel ich auf den Boden. Ich bin über Franks Schrankwand gestolpert, die aus irgend einem Grund auf dem Boden lag. Ich stand wieder auf und tastete mich vorsichtig durch die Dunkelheit zum Lichtschlater.. ich schaltete...und??...nichts. es blieb dunkel. Ich rief nach Niklas der immer noch auf dem Balkon stand: "Niklas? wo ist der Sicherungskasten?" "An der Haustür"antwortete er und schein mir hinterher zu kommen. Ich bemerkte wie auch mir langsam die Angst zu Kopf stieg. Ein völlig neues Gefühl.. einem scheint der Atem zu stocken. Ich erreichte den Sicherungskasten und sah mir die Sache an. Alle Sicherungen waren drin und auch der Hauptschalter schein in Ordnung zu sein. Ich war völlig in Gedanken, machte mich verrückt, es musste doch eine Erklärung geben! Doch plkötzlich fasste mich wer an die Schulter. Niklas. Er zeigte auf Die Tüt rechts von uns. am Anderen Ende des Flurs. Sie war verschlossen doch unter ihr schien licht durch einen Spalt hindurch. Komisch? das ist mir garnicht aufgefallen. Noch in Gedanken und im Bestreben auf die Tür zuzugehn hörten wir ein Knacken, umgefähr so wie der Wählton eines Telefons. Ich blieb stehen. "siehst du das?" fragte mich Niklas. "Da sind welche drin!" Er Flüsterte plötzlich und ballte eine Faust. Tatsächich ich hörte ein Räuspern und sah einen Schaten von links nach rechts wandern. "Einbrechrer" flüsterte ich und ging entschlossen auf die tür zu niklas war hinter mir... das Knacken wurde lauter, dann schrie eine Stimme, was konnte ich nicht verstehen, wollte ich auch garnicht denn wir stürmten bereits in den Raum. Eine Frau lag in der Mitte. Sie bewegte sich nicht. Ich drehte mich um und sah zurück in den Flür.Mich traf es plötzlich eiskalt. Ein Mann, gross und breit gewachsen, öffnete die Wohnungstür. Ich konnte kein Gesicht erkennen, denn dieses lag im Schatten als er die wohnung verlies. Niklas nahm sofort die Verfolgung auf. Ich konnte nicht. ich stand da.. wie vereist. ich sah wieder die Frau an ein lebloser Körper, doch was war das? Ihre Augen öffneten sich...
7.8.06 17:02


Schäfchenwolken (eine Kurzgeschichte)

Wir lagen im hohen Schilfgras und die Sonne kitzelte uns sanft mit ihren warmen Strahlen. Ich kniff die Augen zusammen und blickte in den blauen Himmel.
„Lass uns ein Spiel spielen,“ rief ich und setzte mich auf. Paul, der neben mir gelegen hatte, erhob sich ebenfalls und sah mich verschmitzt grinsend an.
„Und was soll das für ein Spiel sein, Lucie?“
„Wir spielen das Schäfchenwolkenspiel!“ rief ich und lies mich wieder im Gras nieder. „Du musst dich ganz flach auf den Boden legen und in den Himmel blicken. Dann suchst du dir eine Wolke aus und erzählst mir, was du siehst.“
„Ja, was wohl? Ich seh’ ne Wolke!“ erwiderte Paul frech und ich stürzte mich auf hin, um ihn durchzukitzeln. Doch erstens war er stärker und zweitens hatte er meinen Angriff kommen sehen und so griff er schnell nach meinen Armen.
Ehe ich „Schäfchenwolke“ rufen konnte lag ich auf dem Boden und Paul direkt über mir. Ich spürte seinen warmen Atem auf meiner Stirn und mir wurde fast schwindelig vor Glück.
Plötzlich schien alles still. Die Erde hatte für einen kurzen Moment aufgehört, sich zu drehen. Die Vögel verstummten und das Wasser des Baches plätscherte nicht mehr. Ich hörte nur das dumpfe Klopfen meines Herzens als Paul mich schließlich küsste.

Nach einer Ewigkeit lösten wir uns voneinander und die Welt drehte sich weiter. Paul stütze sich auf seine Ellenbogen und lächelte auf mich herab.
„Paul,“ flüstere ich, „schreib mir einen Liebesbrief.“ Ich wusste selbst nicht, wie ich in darauf kam.
Das Lächeln in seinem Gesicht verschwand. „Ist das denn wichtig?“ wollte er wissen. Ich schaute in seine blauen Augen.
„Ich weiß nicht“, zögerte ich, „Ist mir so spontan eingefallen. Ich fände es schön, später, wenn du mich schon nicht mehr kennst, deine Worte zu lesen und mich an dich zu erinnern.“
Auf Pauls Gesicht machte sich ein bekümmerter Ausdruck breit. „Was soll das heißen, hast du vor mich irgendwann zu verlassen?“
„Aber nein!“ rief ich und begann Paul durch den brauen Schopf zu wuscheln. „Aber ich möchte, dass diese schöne Zeit unvergessen bleibt! Erinnerungen können verblassen, aber ein Brief bleibt.“
„Tinte kann auch verblassen,“ wandte Paul ein und ich sah in seinen ehrlichen Augen einen undeutbaren Ausdruck.
„Oder kannst,“ begann ich langsam, „kannst du nicht schreiben?“ Ich versuchte die Antwort in seinen Augen zu lesen, doch er wich meinem Blick aus. Ich wusste, dass Paul nur vier Jahre die Volksschule besucht hatte, bevor sein Vater ihn arbeiten schickte. Paul stammte, im Gegensatz zu mir, aus ärmlichen Verhältnissen.
„Ich kann schreiben,“ begann Paul, „aber nicht sehr gerne. Bin kein guter Schreiber. Ich brauche zu lange und mache zu viele Fehler.“
Er rollte zur Seite und setzte sich neben mich. Ich richtete mich auf und nahm sein Gesicht in meine Hände.
„Ich liebe dich Paul, auch ohne Liebesbrief.“

Als es dunkel wurde brachte Paul mich nach Hause. Verträumt lag ich in meinem Zimmer auf dem Bett. Plötzlich zuckte ich erschrocken zusammen. Jemand hat einen kleinen Stein gegen mein Fenster geworfen. Als ich nachsah, konnte ich nichts erkennen.
Also schlüpfte ich schnell in meine Schuhe und rannte die Treppe hinunter. Vielleicht erwischte ich den Übeltäter noch. Doch als ich endlich vor der Haustür stand, war im Schein der kleinen Laterne neben unserem Haus nichts mehr zu sehen. Ich wollte mich gerade umdrehen und wieder rein gehen, da bemerkte ich den kleinen Zettel auf der Stufe. Ich hob ihn auf und faltete das raue Papier auseinander.
In krakeliger Schrift stand da geschrieben „Was ich in der Wolke gesehen habe“ und darunter war ein rotes Herz gemalt. Das war Pauls Art, mir einen Liebesbrief zu schreiben.
6.8.06 12:29


Linktipp

Seit einiger Zeit lese ich ab und zu gerne auf Die Zeit - Zuender. Besonders die Kolummne von Selim Özdogan hats mir angetan.

Gerade habe ich einen neuen Eintrag gelesen und der gefiel mir besonders gut, einfach weil ich selber schon mal so erlebt hab.
Link
3.7.06 12:32


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