stell dir vor es ist krieg, und keiner geht hin...

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Novembernacht

Die Sonne ist schon lange hinterm Horizont verschwunden und hat Bruder Mond ihren Platz überlassen. Am klaren Himmel hängen nur einige wenige Schäfchenwolken, die sich zart im Mondlicht auf dem Wasser spiegeln. Das Möwengeschrei vom Tage ist verklungen und nur noch das Geräusch der Wellen, wie sie langsam im Sand verlaufen, ist zu hören. Der Novemberwind meint es gut und weht nur schwach. Ich atme tief ein und die Seeluft füllt meine Lungen.

In der Ferne sehe ich das kleine Licht eines Leuchtturms der Dunkelheit trotzen. Ich frage mich, wie viele Schiffe es schon aus der Nacht in den sicheren Hafen gelotst hat.
Auch ich war ein Schiff und meine Reise war schwer. Die See ist nicht immer so freundlich wie heute Nacht. Schon gar nicht im November. Ich bin mehrmals fast von Bord gespült worden, doch dann - wie ein einziger Stern am Horizont - leuchtete ein Licht mir meinen Weg und führte mich sicher zurück an Land.

Noah, mein Licht. Ja, so habe ich dich genannt. Ich höre dich leise lachen, sehe dein Gesicht im Wind. Ich lächele den Mond traurig an und versuche mich an jeden einzelnen Moment, den wir zusammen verbracht haben, zu erinnern.

Ich weiß noch ganz genau, wie wir das erste Mal auf dem Rummel waren. Wir aßen Zuckerwatte und Marzipan Kartoffeln und du hast vergeblicht versucht, einen dieser dicken rosa Plüschelefanten für mich abzuschießen. Zum Trost habe ich dich auf eine Fahrt mit dem Riesenrad eingeladen, obwohl ich Höhenangst habe.

Und als unsere Gondel an dem höchsten Punkt hielt, damit unten weitere Leute einsteigen konnten, hast du deinen Arm um mich gelegt und nach Norden gezeigt. In der Abenddämmerung sah man das Licht des Leuchtturms an der Küste aufblitzen.

„Siehst du das Licht, Naomi?“ hast du sanft in mein Ohr geflüstert.
„Es leuchtet den Schiffen den Weg, so wie ich dich geführt habe. Und wenn ich einmal nicht mehr da bin, dann wird es für dich weiterleuchten. Es wird dich beschützen.“

Mir liefen die Tränen die Wangen herunter, und das lag nicht am Wind. Ich weiß nicht wie lange wir danach schweigend in der Gondel saßen, es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Ich wollte dich nie wieder loslassen und niemals hätte ich gedacht, dass der Leuchtturm schon so bald für mich leuchten muss.

Heute jährt sich der Tag an dem du den Unfall hattest. Es geschah in einer lauen Novembernacht, genauso mild wie heute.
Du hattest keine Schuld. Der Fahrer des anderen Wagens hatte zu viel getrunken und hätte gar nicht mehr hinters Steuer gedurft. Und jetzt sind schon drei Jahre vergangen. Drei Jahre ohne dich scheinen so lang im Vergleich mit der kurzen Zeit die wir zusammen hatten.

Unbemerkt ist mit eine einzige Träne die Wange heruntergerollt. Sie fällt auf den weichen Sand und hinterlässt dort einen dunklen Fleck. Und wenn morgen kleine Kinderfüßchen durch den Sand stampfen, ist der Fleck längst verschwunden und niemanden wird sich an ihn erinnern.

Doch das Licht des Leuchtturms erlischt nie. Es wird jeden Abend neu für die Fischer leuchten. Heute Nacht jedoch leuchtet es nur für mich.

Ich laufe langsam auf das Meer zu. Schon lecken die ersten Wasserzungen an meinen Schuhen. Ich laufe weiter und merke, wie die Wellen zuerst nur meine Füße, dann auch meine Beine umspülen. Das Meer ist kalt, aber klar, doch es macht mir nichts aus. Ich sehe den Leuchtturm und kämpfe mich langsam durch die höher werdenden Wellen. Denn das Licht führt mich.

Es führt mich zu dir.
4.11.06 20:26


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